Review: Rap am Mittwoch – Gloria

Abschiedstour von RAM

Cagefight-Atmosphäre. Talentierte Newcomer, die auf ihre Chance warten und bekannte Gesichter, die einen zum Besten geben möchten. Ein aufgeladenes Publikum, das auf die Battles des Abends wartet, während an den Theken des Gloria ein Kölsch nach dem anderen weggeht.

Auf ihrer Abschiedstournee kam das Rap am Mittwoch-Team am Samstag, dem 07. April 2018 zum letzten Mal nach Köln. Die Stadt, die sich im Laufe der Jahre den Ruf der besten Stimmung erarbeiten konnte. Deswegen sollte das Event einen spektakulären Abschluss dieser Ära bilden.

Spoilerwarnung! Im Sinne einer ausführlichen Berichterstattung lasse ich den gesamten Abend Revue passieren, wofür es natürlich unabdingbar ist, dass ich das ein oder andere vorwegnehme.

3 überhaupt nicht gleiche Battle of Honors

Das im Februar in Heidelberg gestartete Konzept der “Battles of Honor”, der Newcomer-Liga von Tierstar, fand auch hier seine Fortsetzung. Nicht weniger als 3 BoH standen an der Tagesordnung.

Los ging es mit der Paarung Tecey gegen FlakiT! Beide kennt man aus der Battlerap Bundesliga oder anderen Formaten. Tecey konnte sich schnell die Gunst des Publikums erarbeiten und es hätte sich ein gutes Battle entwickeln können, wenn FlakiT nicht in jeder einzelnen Runde nach kurzer Zeit seinen Text vergessen hätte.

Weiter ging es mit einer Neuheit bei RAM: Als es zum Match von Noone gegen Alice kam, durften die Zuschauer das allererste Mal eine Frau im Written Battle bei einer RAM-Veranstaltung sehen. Hier trafen Lyrics auf Delivery! Es war wohl das Beste der 3 Battle of Honor und beide MCs konnten mit ihren Stärken punkten.

Am Ende kam es zum Fight zwischen Eynak (vormals Memo), ein eher unbeschriebenes Blatt, und dem BMCL geprüften Seva. Die Erwartungen an das Battle waren hoch, aber im Nachhinein blickte man trotz Superhelden-Kräftemessen in einige ernüchterte Gesichter. Hier hatten sich Viele wohl mehr erhofft! Alle drei “Battle of Honor” Matches waren unjudged!

Cypher und Battlemania mit dem amtierenden Champ

Nach einer kurzen Raucherpause für das Publikum folgte die Rap am Mittwoch-Cypher. Etliche neue Gersichter brachten frischen Wind auf die Bühne. Zusätzliche Highlights waren Auftritte von Noone mit Alternative Namen Andi, Ji-Zi, Tobi Nice, Cashisclay & Twizzy oder auch der Freestyle von Gier!

Die Qualifikation nach der Cypher sollte die letzen 2 Teilnehmer für die Battlemania ermitteln. Die Sieger waren Kevin Maeck Meyer sowie G-Balla, die sich schon in der Cypher ein starkes Battle gaben.

Um das Ganze etwas abzukürzen: Von den ganzen Vorrunden-Battles hatte mich kaum eines wirklich geflasht, auch wenn alle auf einem ordentlichen Niveau waren. Es ging los mit Muro gegen Kevin Maeck Meyer. Erfahrung schlug Newcomer-Hype.  Anschließend traten Noone gegen Jolle an und G-Balla stellte sich ShaoLum.

Im Halbfinale wurde es dann besser. Es begann mit Muro: Er konnte sich dann den Freestyle-Punkt sichern und nun kam es auf die Texte an. Und hier liegt der Hund begraben! Muros Gegner kam – wie er selber zugab – ohne einen Raptext und verschenkte die 2. Runde… Damit stand der erste Finalist schon fest!

Mein persönliches Highlight ergab sich beim Duell zwischen G-Balla und dem amtierenden RAM-Champ Skilla199, der extra aus Mannheim angereist kam, um seinen Titel zu verteidigen. Deswegen hatte er einen Slot ab dem Halbfinale bekommen.
In einem hart umkämpften Freestyle-Schlagabtausch sicherte sich Skilla den Punkt. Aber durch einen schönen Text konnte G-Balla ausgleichen. Im Acapella behielt dann G-Balla dank einigen Mutterlines, die von Teilen der Crowd und seinem peinlich frenetischen Fanclub bejubelt wurden, die Oberhand. Das Finale solltet ihr euch dann in Ruhe bei Youtube geben.

BMCL Cashisclay vs RV

Am Ende kam es zum BMCL! Lokalmatador Cashisclay traf auf den “Prinzen aus Potsdam“, nämlich RV.

Ich finde, es wurde schnell deutlich, dass RV einen unheimlich schweren Stand beim Publikum hat. Bei seinen Parts war es oftmals unruhig, die Crowd war wirklich undankbar gegenüber dem gebürtigen Potsdamer, mit derzeitiger Wohnhaft Berlin, und so gingen selbst einige seiner sehr guten Lines oft unter.

Cashisclay hingegen wurde mit offenen Armen empfangen. Er startete mit einer ziemlich starken 1. Runde und beendete diese mit einem krassen Ultimatum: Obwohl beide Kontrahenten gerne auf dem Frauenfeld batteln möchten, stellt er Tierstar vor die Wahl zwischen ihm und RV.

Im weiteren Verlauf konnte sich RV aus meiner Sicht einen Vorteil erarbeiten. Er arbeitet viel mit Flow-Variationen, kam mit treffenden und starken Lines um die Ecke (auch wenn es weniger Crowdreactions gab). Er versuchte Cashis als Hohlkopf dastehen zu lassen (Dummi!), hat außerdem seine Stimme verändert oder kam endlich in den Stimmbruch, denn an diesem Abend war RVs Stimme erträglich. Die 3. Runde, die auf die Psyche des Gegners abzielte, war leider die Schwächste, aber trotzdem eine saubere Leistung des Rechtsverteidigers.

Cashisclay hat sich wohl zu sehr auf seinen Heimvorteil verlassen. Gute Flowpatterns, aber zu wenig prägende, markante Lines. Als er ein Scheme mit vermeintlichem “Realtalk” in der 3. Runde begann, das auf RV und sein angeblich existierendes, verleugnetes und uneheliches Kind abzielte, dachte ich mir so “Ja Man! Das Beste hebt er sich für den Schluss auf!” Was dann passierte, seht ihr am Besten selbst. Aufklärung zu diesem “Nicht-Realktalk” gibt es dann auch im Interview!

Insgesamt wieder ein sehr cooler Abend bei RAM, ich werde die Shows vermissen, aber vielleicht kommt da ja schon bald was Neues. Ansonsten bin ich gespannt, wer nach der Leistung von Samstag mit auf’s Frauenfeld Festival darf. Was denkt ihr – RV oder Cashisclay?

Treibt die Kultur weiter voran, Battlerap lebt!

Euer Kevin Smart