Toptier Takeover Alpha Royal #1 / München Technikum 12.10.18

TOPTIER TAKEOVER PRÄSENTIERT ALPHA ROYALE

Vergangenen Freitag fand im Münchner Technikum die Vorrunde des mit Spannung erwartetem Alpha Royale – Turniers statt. Vor Ort tummelten sich, wie unschwer an den Oberteilen zu erkennen, viele Besitzer der JBG3 – Premium – Boxen und anderweitige Kollegah – Jünglinge, die Zugkraft für seine Hörerschaft, jung wie alt, war sichtlich merkbar. Erstaunlicherweise war die Halle im Vergleich zum DLTLLY- B-Day vor zwei Wochen dennoch nicht so stark gefüllt.

Vor dem Eingang und auf der Bühne versammelten sich einige Battle-Rap-Erzeugnisse wie der kürzlich zurückgetretene Seva und andere illustre Persönlichkeiten. Für alle im Vorfeld besorgten Mitleser, Andres war heute nüchtern und sorgte für keine Kontroversen, diesen Part überließ er anderen, dazu an anderer Stelle mehr. Die Locals suchte man an diesem Abend vergeblich…

Im Vorfeld war zu dem Ablauf des Abends so manches unklar, doch um kurz nach acht steppte das TTT-Team auf die Bühne, um den Schirmherren der Veranstaltung, welcher auch eine Ansprache an die Crowd hielt, sowie die Jury vorzustellen. Das Gremium bildeten letzten Endes Kolle, Ali As und Tierstar und einher ging sogleich, ohne Cypher (!) der erste Battle-Block.

Block 1: Homie-Clash und Generics

Sollten die Paarungen ausgelost worden sein, so hat die Losfee ein unglückliches Händchen bewiesen, auch wenn dies Lamentieren auf hohem Niveau darstellt.

Den Auftakt bestritten Lyrico und Merlin, welche beide einen souveränen und routinierten Auftritt hinlegten. Die Begegnung erinnerte ein wenig an das Host-Gimmick-Battle, da es doch recht freundschaftlich wirkte und beide rein auf (unterhaltsame) Generics zurückgriffen. Beide zogen ordentliche Crowd-Reactions, wobei sie bei Merlin etwas seltener gestreut waren, was wohl auch dadurch bedingt war, dass er deutlich merkbar längere Rundenzeiten als Lyrico hatte. Lyricos Parts wirkten dadurch expliziter und prägnanter. Dieser Eindruck spielte sich auch in dem einen oder anderen Judging wieder. Dennoch gelungener Einstieg und für die Jungs wurde auch Lärm gemacht.

Das zweite Battle bestritten ebenfalls zwei Homies, Yarambo und Kato. In dieser Begegnung wurde auch angeteasert, dass man demnächst ein Kollabo in Angriff nimmt, die gegnerischen Contender dürften sich bereits nach Delfin-Therapie-Plätzen umsehen. Die beiden gelten zurecht als mitunter stärkste Generic-Rapper und stellten dies eindrucksvoll unter Beweis. Yarambo sind definitiv ob seiner hohen Battle-Frequenz und der tadellosen Leistungen dieses Jahr höchste Anerkennung zuzusprechen, dem Jungen ist, wenn er das Level beibehält noch einiges zuzutrauen. Kato zeigte wieder sein sickes Rebuttal-Game und konterte zu Rundenbeginn über vier Stationen hochwertig – beeindruckend! Zudem arbeitete er in der dritten Runde gegnerbezogen und erwähnte einen Nicht-Angriffs-Pakt vor dem Battle. Mit seinem gelungenen Gegnerbezug knüpft er an die Leistung gegen Mars B an und profiliert seine Battle-Figur weiter. Zudem hat er echt Eier bewiesen, als er Tierstar angegangen hat – seht es euch im PPV an. Yarambo ließ wie gegen Bong Teggy den Gegnerbezug etwas vermissen, doch lieferte ebenso hochwertiges Entertainment, ich bin um so mehr auf das Title-Match gespannt. Die Paarung erwies sich als einzige knappe des Abends und je nach Gusto konnte sie unterschiedlich gewertet werden.

Block 2: Freestyle und Filler

Das Freestyle-Turnier bot ein Line-Up an improvisatorischen Geschick verfügenden hoch potenten Contender an. So stellten sich Jolle, Kolle Günstling (Noah!?), Drob Dynamic, Presto, Skilla 199, Dizzepticon, Ji-Zi & Gier gegenüber, wobei letzterer spontan und unter frenetischem Jubel eingesprungen ist.
Vor allem die Vorrunde und das Halbfinale waren äußert unterhaltsam. So wurden nice Schlagabtäusche abgeliefert und eine kleine Schubserei gab es zudem obenauf. Ordentlich Feuer in der Bude. Das Publikum goutierte dies ausgiebig und bekam nicht genug, so dass es die eine oder andere Verlängerung gab. Im Halbfinale und auch im Finale, einem Klassiker, verwässerte sich das Spektakel etwas und konnte nicht das anfängliche Niveau halten. Dennoch ein gelungenes Turnier mit einem verdienten Sieger.

Vor dem Finale bodybaggte die allseits bekannte Magda einen Augsburger Bub im Punchline-Quiz. Wenn du einen richtigen Gegner suchst, melde dich ;D  [Edit: INCOMING BATTLE LAUCH vs MAGDA)

Block 3: Kontroversen, Armutszeugnisse & Ist das noch Rap oder das ist Rap?

Die dritte Begegnung bestritten Ssynic und RV. Bei letzterem wurde im Vorfeld sehr viel diskutiert, ob er der Berufung in dieses Turnier würdig sei. RV begann recht vielversprechend und zeigt, dass er sich in seiner Vorbereitung sehr gründlich mit seinem Gegner auseinandergesetzt hat. Ssynics aufsteigende Formkurve zeigt Konstanz und so glänzte er mit simplen, aber astreinen Gegnerbezug und konnte sich meiner Meinung nach auch die Bar of the Event – Alter sichern. In der zweiten Runde von RV herrschte reine Verunsicherung seitens der Crowd, denn seine Präsentation von Flows konnte kaum positive Reaktionen hervorrufen. Man fühlte sich an Ssynics Doubletime-Demonstration erinnert und konnte dies fast als Hommage oder Gegnerbezug aufgreifen, doch das immer wieder nachgestellte „Das ist Rap“ zeugte von einer ernstgemeinten Darbietung und wird sich vermutlich in eine Reihe mit dem berühmt-berüchtigten Mini-Man-Scheme stellen. Nichtsdestotrotz konnte er ein paar amüsante Treffer landen, doch seinen Gegner zu keiner Zeit gefährden. Hält Ssynic sein Niveau, beziehungsweise steigert er dieses, dürften wir von ihm im weiteren Verlauf noch so manches erwarten. In den Judgings hatte man den Eindruck die Aufstellung bereut zu haben.

In der letzten Paarung trafen Mighty Mo und Davie Jones aufeinander. Ersterer zeigte gewohnt seine hervorragende Technik und Präsenz und spielte seine Karten gut aus, wobei er für manche mit seinen zahlreichen indirekten N-Bomben und anderen grenzwertigen Punchlines teilweise über die Strenge schlug, nicht jedem mag sich sein Konzept erschlossen haben. Davie Jones in ein Battle aufzustellen gleicht einem Bayerisch Roulette. Kann ein Volltreffer werden, aber sich auch in fünf anderen Fällen als Platzpatrone erweisen. Leider bestätigte er seine Hater und konnte nicht an die Leistung gegen Pilz anknüpfen, wobei er (kurz) phasenweise seinen Film fahren konnte und man das Gefühlt hatte er würde sich fangen können. Seine Unsicherheit lag vor allem zunehmend in vereinzelten Crowd-Membern begründet, welche sich wirklich enorm respektlos verhalten und immer wieder gestört haben. So schickte sich ein Bodyguard von Kollegah, der Battle-Rap gewordene Sir Gregor Clegane an, einen Störenfried zu entfernen. Doch zu Ende hin hätte wohl Kolle selbst besser einige Dutzend Respektschellen verteilen müssen. Unwürdig ! und zu hoffen, dass sich bei den Folge-Veranstaltungen Besserungen einstellen. Es ist wahnsinnig schade, dass Davie trotzt seines vorhandenen und nicht bestreitbaren Potenzials sein Leistungsvermögen nicht abrufen konnte. Ob er ttt alpha 1 münchen kollegah turnier battlerapdamit hätte gefährlich werden können, steht auf der anderen Seite, aber ein Match auf Augenhöhe hätte einen guten Abschluss der Veranstaltung ergeben.

Ausblick & Fazit

Der weitere Turnierbaum bietet eine interessante Mischung aus ehemaligen und angehenden Title-Contender, sowie einem Titel-Träger. Zudem birgt er die Möglichkeit auf Re-Matches, die mitunter brisant ausfallen dürfte. Der Generic-Anteil dürfte signifikant sinken und verspricht erstklassige Begegnungen. Vor allem da der Gewinn „nur“ noch zwei Battles entfernt liegt und sich für den mit dem meisten Durchsetzungsvermögen möglicherweise ein Karrieresprung per Excellence winkt. Gespannt darf man auch darauf sein, ob sich der Trend fortsetzen wird, dass sich die Contender Kollegah-Referenzen bedienen – Stilmittel des Abends.

Generell ist es eine lobenswerte Aktion von Kollegah ein solches Turnier mit zu veranstalten und auch persönlich beizuwohnen. Die Veranstaltung live zu streamen war ebenso ein guter Schachzug in Hinsicht darauf Aufmerksamkeit zu generieren. Die Frage ist allerdings wie sich möglicher Szene-Zuwachs auswirken wird, geradezu in Hinblick auf die Besucher vor Ort. Dass das RAM- und TTT-Klientel anders tickt, als auf anderen Plattformen stellt nach wie vor keine Überraschung dar, aber dass manche Künstler dermaßen aus dem Konzept gebracht werden durch Störungen ist neu und als ein großes Problem zu betrachten. Es bleibt zu hoffen, dass sich dies einstellen wird. Da auch die Veranstaltung an sich durch das ganze leidet.

Persönlich gut Gefallen hat mir tatsächlich das Überspringen der Cypher, da die Veranstaltung dadurch wesentlich strukturierter und kompakter gewirkt hat, bei einem Main-Match sicherlich praktikabel, aber für den gestrigen Abend mehr als angemessen.
Alles in allem ein Abend mit vielen Höhen und Tiefen, aber durchaus ein Wink in die richtige Richtung. PPV-Empfehlung kann durchaus ausgesprochen werden.

Der Lauch